
Blaublütlerin mit Kunst im Blut
27.05.2010
Als die
Dexia zur Vernissage lud, war die ebenfalls anwesende Malerin schlicht als
Feodora Hohenlohe angekündigt. Doch wem bei diesem Namen nicht schon die Ohren
klangen, dem schwante spätestens beim Anblick der charmanten Mitgastgeberin, dass in deren Adern wohl nicht nur Künstlerblut fließt.
„Frau Hohenlohe“, wie sich die Dame mit dem festen Händedruck ohne
Umschweife nennen lässt, ist eine im besten Sinne
stattliche, für Frauen wie Männer gleichfalls eindrucksvolle Erscheinung. Dabei
wirkt sie weder abgehoben noch weltfremd, sondern zupackend und mit beiden
Beinen fest im Leben stehend.
Neuer Blick
auf die Welt der großartigen Kleinigkeiten
Genauso solide in der Realität verwurzelt sind die
Bilder, die die ehemalige Meisterschülerin Peter Schermulys
malt: kleine und kleinste Ausschnitte aus der Welt, die uns umgibt, und die wir
doch nur allzu oft nicht richtig wahrnehmen. Wer die Welt der großartigen
Kleinigkeiten durch die Augen Feodora Hohenlohes sieht, dem wird dies freilich
kaum passieren. Der geschulte, aber niemals nur professionelle Blick der
malenden Prinzessin öffnet uns die Augen für Wunder, die sonst oft verborgen
bleiben, die man aber, kaum dass man sie wahrhaft zu
sehen vermag, auch unbedingt berühren will.
Es ist (ein Teil von) Feodora Hohenlohes Kunst, wie
sie es schafft, schon beim Anblick des von ihr gemalten dichten Schafpelzes die
bauschige Wolle befühlen zu wollen, wie es ihr gelingt, einem schlichten Paar
lackroter Trotteurs auf spiegelnder Steinplatte eine physische Präsenz zu
geben, dass man die Schuhwichse förmlich zu riechen
meint. Ein schadhaftes Keramikfigürchen in Felduniform, dem der linke Stiefel weggebrochen
ist, wirkt in den großformatigen Detailstudien aus unterschiedlichen
Blickwinkeln weder angeknackst noch als erblindete „Googly“-Puppe.
Ohne die porzellanweißen Augenhöheln animieren zu
müssen, schafft die Künstlerin es durch subtile Differenzierungen beim
Farbauftrag, den halbinvaliden Kleinen als standhaften Sinnsoldaten zu
präsentieren, als von leichter Verlegenheitsröte überhauchten freundlichen
Dulder.
Textur und
Seele als lebensspendende Zaubermittel
Textur und Seele sind die zwei Zauberwörter, mit
denen Feodora Hohenlohe ihren Gegenständen Leben einhaucht - und diese stehen
dem gewiss nicht entgegen, sondern scheinen sich dem
teilnehmenden Blick der Malerin verständnisinnig zuzuneigen.
Der biedermeierlich
respektvolle Zugriff auf die Welt im Kleinen scheint nur bei oberflächlicher
Betrachtung altmodisch. Wer sich vorbehaltlos darauf einlässt,
wird schnell bemerken, dass diese Malerei sich durch
ihre würdevolle Haltung ebenso wie mit ihren souverän beherrschten Mitteln
einer falsch verstandenen Moderne entzieht. Feodora Hohenlohes Ölmalerei ist im
besten Sinne zeitlos. Was die im gesellschaftlichen Leben wie bei den eigenen
Künstler-Salons so überaus präsente Persönlichkeit der Malerin ebenso unglaublich
scheinen lässt wie deren täglicher Ausblick aus dem
über alles geliebten Großstadt-Atelier am Berliner Bahnhof Friedrichstraße,
wird von ihren Gemälden immer wieder mit Nachdruck bestätigt: dieses Werk
entzieht sich dem Zugriff der Gegenwart - gerade weil es deren Momentaufnahmen
der Vergänglichkeit entreißt und zum Kunstwerk adelt.
Feodora Hohenlohes Kunst berührt, ohne sich
anzubiedern. Sie fasziniert ohne Effektehascherei -
und bezieht ihren Wert aus einer einfachen Tatsache: sie ist und bleibt jenseits
aller Moden klassisch.
› may
Letzebuerger Journal 27-05 / 2010